Chronik der Jahre 1979 - 1989

1979/1981

Im Februar  gründet sich die Frauenhausinitiative. Die erste öffentliche Aktion findet am 8. März  zum Internationalen Frauentag statt.  An einem Infostand werden die Mitbürger zum Thema „Vergewaltigung-Gewalt gegen Frauen“ informiert. Am  27.02.1980 unterzeichnen die Vorstandsfrauen beim Notar die Gründung des  Frauenhauses Paderborn e.V. Im Mai kann es dann endlich losgehen.  Das  Frauenhaus wird nach notdürftiger und eigenständiger Renovierung in einem  städtischen Gebäude eröffnet. Das Haus  muss jedoch mit weiteren Mietern geteilt werden. Von Stadt und Kreis gibt es einen Starthilfezuschuss in Höhe von 5.000 DM, welcher   allerdings an Bedingungen geknüpft ist. Ab dem 15. Mai beschäftigt der Verein zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen. Das Land NRW gewährt  für diese beiden Stellen einen Personalkostenzuschuss. Die weitere Finanzierung  ist jedoch ungeklärt.

1982

Die Geschäftsräume des Frauenhauses werden mit Sachspenden in Eigenarbeit renoviert. Die telefonischen Beratungen von Frauen nehmen zu.

1983

Die Frauen des Frauenhausvereins machen eine Kartoffelschälaktion in der Westernstraße mit dem Slogan „Kannst du nicht Kartoffeln schälen, darfst du nicht die Ehe wählen“, als Reaktion auf einen Ausspruch der Vorsitzenden der Frauen- und Kinderschutzhäuser auf einer Veranstaltung in Paderborn. Erneut werden Spendenaufrufe gestartet: Alles wird gebraucht! Der Verein wirbt in der Paderborner Bevölkerung um Verständnis und Solidarität. Die Geburtstagsfete zum 3jährigen Bestehen wird am 14. Mai im KuKoz gefeiert. Der Hinterhof des Frauenhauses wird mit Hilfe von Sachspenden in Eigenarbeit zum Spielplatz umfunktioniert.

1984

Das Frauenhaus erhält eine neue Rufnummer: 2 19 67. Die Bild- Zeitung startet eine groß angelegte Verleumdungskampagne gegen autonome Frauenhäuser mit dem Titel „Was Frauen in Frauenhäusern erleben“ und versucht so, bestehende Ressentiments gegen autonome Frauenhäuser zu schüren. Das Frauenhaus wehrt sich öffentlich gegen die Behauptungen.

1985

Finanzierungsprobleme behindern die kontinuierliche Frauenhausarbeit. Der Verein fordert eine gesicherte Finanzierung in Form eines Haushaltstitels. Der Sozialausschuss der Stadt Paderborn lehnt einen entsprechenden Antrag über 39.000 DM ab. Die ambulante Beratungsarbeit wird auf Grund der starken Nachfrage teilweise in die „Etage“ in der Fürstenbergstraße verlegt. Ein Antrag auf Bezuschussung der Beratungsarbeit wird vom Jugendwohlfahrtausschuss (JWA) abgelehnt und an den Sozialausschuss weitergeleitet. Für die pädagogische Arbeit mit den Kindern im Frauenhaus bewilligt der JWA einen Zuschuss in Höhe von 9.000 DM. Die Stadt Paderborn überlässt das komplette Gebäude mietfrei dem Frauenhaus. Sie entbindet sich aber so auch von ihren Verpflichtungen als Vermieter. Die bisher von anderen Mietern genutzte Dachgeschosswohnung wird mit Hilfe von Sachspenden in Eigenarbeit renoviert und kann im Dezember von zufluchtssuchenden Frauen bezogen werden.

1986

Endlich wird vom Land NRW eine dritte Personalstelle bezuschusst, eingerichtet für die Arbeit mit den Kindern im Frauenhaus. Ein Antrag auf institutionelle Förderung in Höhe von 39.000 DM wird wieder von der Stadt Paderborn abgelehnt. Der Schuldenberg von 18.000 DM droht drastisch anzuwachsen. Der Verein ruft deshalb eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Die CDU Fraktion stampft inzwischen einen Fond „Frauen in Not“ aus dem Boden, ausgestattet mit 50.000 DM. Dieses Geld steht zur Begleichung der Schulden als sogenannte „Rückkehrprämie“ den Frauen zur Verfügung, die zum Partner zurückkehren.

1987

Der Antrag auf institutionelle Förderung in Höhe von 39.000 DM wird wieder abgelehnt. Erstmals wird aber ein Sachkostenzuschuss in Höhe von 50% der Ausgaben, max. 5400 DM bewilligt. Angeschafft werden Waschmaschine, Etagenbetten etc. Aktion Sorgenkind stiftet nach 1,5 Jährigen Verhandlungen eine VW- Transporter für den Mädchen- und Jungenbereich. Der §4 der Vereinssatzung wird dahingehend verändert, dass Männer nur noch passive Mitglieder des Vereins sein können. Vom Frauenhaus aus unternehmen Bewohnerrinnen, ehemalige Bewohnerrinnen, die Kinder und Mitarbeiterinnen eine 4-tägige Ferienfreizeit nach Vreden. Der Verein mietet für die ambulante Beratungsarbeit eigene Räumlichkeiten an. Im Juni eröffnet die Frauen- und Mädchenberatungsstelle „Lilith“ in der Königstraße 64 nach wochenlanger Renovierung in bewährter Eigenarbeit. Das Lilith erhält von der Stadt Paderborn einen Zuschuss von 3.000 DM. Der JWA bewilligt einstimmig ohne lange Debatte max. 24.000 DM für die pädagogische Arbeit mit den im Frauenhaus lebenden Kindern und Jugendlichen. Eine Dokumentation mit dem Titel „7 Jahre Frauenhaus“ erscheint.

 

1988

Der Sozialausschuss lehnt wieder den Antrag auf institutionelle Förderung des Frauenhauses ab. Stattdessen wird ein Zuschuss von 50% zu den ungedeckten Betriebskosten, max. 20.000 DM, gewährt. Das Frauenhaus ist total überfüllt! Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit wird versucht, Vorurteile gegen Frauenhausbewohnerinnen abzubauen. Wohnungssuchende Frauen aus dem Frauenhaus stoßen bei Vermietern und Vermieterinnen häufig auf Ablehnung. Der Frauenhausverein bittet die Paderborner Bevölkerung um Mithilfe.

1989

Über 100 Frauen mit ihren Kindern müssen wegen Platzmangel an andere Frauenhäuser verwiesen werden. Das Frauenhaus verstärkt die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Wohnungsnot und versucht die Stigmatisierung von alleinerziehenden Frauen abzubauen. Das Frauenhaus beteiligt sich an einer landesweiten Aktion der autonomen Frauenhäuser, in der sechs Personalstellen für jedes Haus gefordert werden. Der Verien beantragt einen Haushaltstitel in Höhe von 17.700 DM, bewilligt wird dieser Betrag als Unterhaltungskostenzuschuss. Der JWA bewilligt 14.700 DM für den Kinderbereich. Der Verein wird als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Die Ferienfreizeit mit Frauen und Kindern findet in diesem Jahr in Nettelstett statt. In der Beratungsstelle Lilith findet eine Frauenbuchausstellung statt.

Freie Plätze

Hier finden Sie freie Plätze in Frauenhäusern in NRW.

Kontakt

Die Adresse des Frauenhauses ist anonym. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer: 05251/5151. Mehr Informationen finden Sie unter Kontakt.