Chronik der Jahre 1990 - 1999

1990

Das Frauenhaus beantragt einen Haushaltstitel in Höhe von 20.000 DM, bewilligt werden 20.000 DM max. als Unterhaltungskostenzuschuss. Die Wohnungsnot wirkt sich weiterhin auf die Lebensbedingungen im Frauenhaus aus. Es werden Spendenaufrufe verschickt, um einen Computer für die immer umfangreicher werdenden Veraltungsarbeiten anschaffen zu können.

Lilith arbeitet verstärkt gegen sexuellen Missbrauch und stellt einen Antrag auf Übernahme von Personalkosten. Die beantragten 150.000 DM werden nicht bewilligt, es kommt ein Zuschuss in Höhe von 100.000 DM.

1991

Die Frauenhausbewohnerinnen und –mitarbeiterinnen beklagen die räumliche Enge im Sozialamt. Der Datenschutz ist hier nicht immer gewährleistet. Der Beigeordnete der Stadt Paderborn stellt eine Verbesserung der räumlichen Situation in Aussicht.

Das Frauenhaus beantragt einen Haushaltstitel über 30.000 DM, bewilligt wird diese Summe als Unterhaltungskostenzuschuss.

Die Frauenhausbewohnerinnen sind auf dem Wohnungsmarkt noch immer fast chancenlos. Für ein bundesweites Frauenhaustreffen erarbeiten die Paderborner Frauenhausmitarbeiterinnen einen Fragebogen zum Thema „Professionalisierung der Frauenhausarbeit“.  

1992

Der Abriss des Frauenhausgebäudes droht. Der Verein muss sich nach anderen, akzeptabeln Räumlichkeiten umsehen. Dabei soll die Aufnahmekapazität auf Grund von gleichbleibend starker Nachfrage erhöht werden. Der Wohnungsmarkt ist weiterhin sehr angespannt. Das Lilith gründet einen Förderverein mit dem Ziel, die Arbeit gegen sexuellen Missbrauch finanziell zu unterstützen.

Das Land NRW bewilligt für das Lilith einen Personalkostenzuschuss zu 1,5 Stellen.

Das Frauenhaus beantragt einen Haushaltstitel über 30.000 DM, bewilligt wird ein entsprechender Unterhaltungskostenzuschuss.

Die Ferienfreizeit findet mit den Frauenhauskindern in einer Jugendherberge in Detmold statt. 

1993

Das Frauenhaus muss sein bisheriges Gebäude endgültig räumen. Ein neues Gebäude wird mit Unterstützung der Stadt, insbesondere der Gleichstellungsbeauftragten und Kämmerin gefunden. Gleichzeitig bewilligt die Stadt Paderborn 64.537 DM für Renovierung und Einrichtung.

Einen Teil der Renovierung übernehmen Mitarbeiterinnen und Vereinsmitglieder in monatelanger Eigenarbeit. Es wird, wie schon so oft, tapeziert, angestrichen, es werden Fliesen verlegt und vieles andere mehr.

Da in dem neuen Gebäude keine passenden Räumlichkeiten für die pädagogische Arbeit mit den Mädchen und Jungen vorhanden sind, plant der Verein einen Anbau. Die Öffentlichkeitsarbeit unter dem Motto „ Das Frauenhaus braucht haufenweise Kies“ ist erfolgreich.

Die als Haushaltstitel beantragten 49.486 DM werden in dieser Höhe als Betriebskostenzuschuss gewährt. Die Beratungsstelle Lilith zieht in größere und hellere Räumlichkeiten in die Fürstenbergstraße 41 um. 

1994

Endlich können im „neuen“ Frauenhaus Frauen und Kinder einziehen.  Jetzt finden im Paderborner Frauenhaus neun Frauen mit ihren Kindern Zuflucht, Schutz und Unterstützung. Dank einer großzügigen Spende einer Paderborner Firma konnte das Haus neu und sehr zweckmäßig eingerichtet werden.

Die alte Telefonnummer kann aus Kostengründen nicht beibehalten werden: Die Telekom will für diesen Service 100 DM monatlich. Dies kann und will sich der Verein nicht leisten. Das Frauenhaus ist nun unter der Rufnummer PB 5151 Tag und Nacht zu erreichen.

Der beantragte Haushaltstitel in Höhe von 59.799 DM wird wiederum abgelehnt, ein Betriebskostenzuschuss in dieser Höhe bewilligt.  Von diesem Zuschuss werden 30.000 DM jährlich als Miete an die Stadt gezahlt.

Ca. 100.000DM sind für den Anbau eines Kinderhauses zusammengekommen. Der Rat der Stadt Paderborn bewilligt daraufhin außerplanmäßig einen Zuschuss über 50.000 DM für den Anbau.

Die jährliche Ferienfreizeit für die Frauenhauskinder findet in Bruinisse /NL statt.

Passend zu Weihnachten ist das Kinderhaus fertig und wird mit einer Weihnachtsfeier von den Mädchen und Jungen begeistert angenommen. 

1995

Am 8. März findet eine Informations- und Dokumentationsveranstaltung der Mitarbeiterinnen von Frauenhaus und Lilith auf dem Rathausplatz statt.

Thema ist „Gewalt gegen Frauen- eine alltägliche Menschenrechtsverletzung“.

An Hand von Presseberichten werden Gewalttaten und Übergriffe an Frauen im Raum Paderborn im Jahr 1994 dokumentiert. Bestürzte Reaktionen von Passantinnen: „Das ist ja direkt bei uns um die Ecke passiert“.

Das Frauenhaus beantragt, wie in jedem Jahr, einen Haushaltstitel, bewilligt werden die 59.929 DM als Betriebskostenzuschuss.

Der Jugendwohlfahrtausschuss bewilligt 49.850 DM für die pädagogische Arbeit mit den Mädchen und Jungen im Frauenhaus. Der Garten wird kindgerecht mit einem Spielplatz ausgestattet. Die Ferienfreizeit der Kinder und Jugendlichen ist in Egmont aan Zee/ NL.

In der Neuen Westfälischen erscheint am 8. März eine halbseitige Protestanzeige, finanziert von über 100 Frauen, die sich spontan solidarisieren und u.a. die sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder beklagen. 

1996

Das Land NRW bewilligt endlich einen Zuschuss für eine 4. Mitarbeiterin im Frauenhaus. Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit ist die Vergewaltigung in der Ehe. Angestrebt wird bundesweit eine Änderung des Sexualstrafrechts. Ein Forderungskatalog wird an verschiedene landes- und bundesweite Gremien verschickt.

Auch an dem Infostand zum 8. März werden Unterschriften gesammelt, um der Forderung nach Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe Nachdruck zu verliehen. Es soll Schluss sein mit der frauenfeindlichen Auslegung des §177 StGB. Das Frauenhaus fordert in diesem Zusammenhang auch die Änderung des §19 AusländerInnengesetz zum Schutz von Migrantinnen.

Auch in diesem Jahr erhält das Frauenhaus statt des beantragten Haushaltstitels in Höhe von 69.653 DM einen entsprechend hohen Betriebskostenzuschuss. 

1997

Auf Grund der erfolgreichen Wohnungssuche der Frauenhausbewohnerinnen ist die Verweildauer wesentlich kürzer und es können im Jahr 30% mehr Frauen mit ihren Kindern aufgenommen werden.

Zum 8. März kritisiert das Frauenhaus die Gesetzesänderung bei Vergewaltigung in der Ehe. Die bestehende Regelung zum Schutz der Frauen ist nicht ausreichend.

Auch in diesem Jahr sind Frauenhausmitarbeiterinnen zu verschiedenen Informationsveranstaltungen an Schulen und Ausbildungsstätten zum Thema Gewalt gegen Frauen unterwegs.

Das Frauenhaus erhält auch in diesem Jahr statt des beantragten Haushaltstitels in Höhe von 59.920 DM einen entsprechen hohen Betriebskostenzuschuss. 

1998

Der Frauenhausverein kann mit Hilfe von Spenden ein mehrsprachiges Informationsblatt erstellen, um damit Frauen in ihrer Muttersprache über das Frauenhaus als Zufluchtsstätte zu informieren. Auch die Hausordnung des Frauenhauses wird in 7 Sprachen übersetzt.

Der Zonta-Club Paderborn- Lippstadt, ein Zusammenschluss von Unternehmerinnen und selbstständigen Frauen, unterstützt das Frauenhaus durch die Veranstaltung eines Benefizkonzertes im Audienz-Saal des Schlosses in Schloß Neuhaus. Einen Scheck über 5.500 DM konnten die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses im Anschluss an die gelungene Veranstaltung in Empfang nehmen.

Die Stadt Paderborn bewilligt 59.981 DM, wie immer als Unterhaltungskostenzuschuss. 

1999

Die Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser beschließt, die inhaltliche Zusammenarbeit wieder zu verstärken. Vier Frauenhäuser aus OWL, darunter auch Paderborn, bilden eine Arbeitsgruppe mit dem Auftrag, die theoretischen Inhalte der Frauenhausbewegung zu reflektieren.

Für die Beratungsstelle Lilith wird im November ein eigener Trägerverein gegründet. Wie auch der Frauenhausverein ist auch er als gemeinnützig anerkannt.

Die Planungen zum 20jährigen Bestehen des Frauenhauses laufen an. 

Freie Plätze

Hier finden Sie freie Plätze in Frauenhäusern in NRW.

Kontakt

Die Adresse des Frauenhauses ist anonym. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer: 05251/5151. Mehr Informationen finden Sie unter Kontakt.